Sonntag, 24. Juni 2018

[Rezension] Die Nacht der fallenden Sterne - Jennifer Alice Jager





Titel: Die Nacht der fallenden Sterne
Autorin: Jennifer Alice Jager
Verlag: Impress
Seitenzahl: 348
ISBN: 
978-3-646-60414-6








Hier war ich also. Inmitten eines undurchdringlichen Waldes, verfolgt von Kriegern von der anderen Seite des Himmels, mit einem Mann an meiner Seite, der mein Todfeind war, und ohne zu wissen, wohin mein Weg mich führte. So hatte ich mir das nicht vorgestellt, als ich von Abenteuern geträumt hatte.

(S. 62/63)



Luna, Tochter des Herrschers von Havendor und rechtmässige Erbin des silbernen Thrones, befindet sich nach einem Putsch durch eine andere Familie auf der Flucht. Doch nicht nur muss sie sich vor den Anhängern dieser Familie verstecken, nein, auch die geheimnisvollen Sternkrieger sind auf der Suche nach ihr. Wesen, von denen sie dachte, dass sie nur Legenden sind. Und während sie um ihr Leben kämpft, muss sie ausgerechnet Hayes vertrauen, ihrem Todfeind...


Zugegeben, vor allem das Cover hat meine Aufmerksamkeit erregt. Es ist wirklich unglaublich schön. "Die Nacht der fallenden Sterne" ist eine Märchenadaption zu "Sterntaler" (wobei mir dieses Märchen nicht mehr gross in Erinnerung ist). Der Schreibstil der Autorin lässt sich flüssig und gut lesen, ist an manchen Stellen poetisch, und an den richtigen Orten rasant und spannend.

In Havendor herrscht die Luna's Vater mit strenger Hand. Obschon die Magie, welche das Volk früher beherrscht hatte, längst verschwunden ist, beanspruchen die mächtigsten Familien den Thron. Als ihr Vater bei einem Putsch von einer dieser Familien, den Hallenders, gestürzt wird, muss Luna flüchten. Doch die Hallenders sind ihr auf den Fersen. Und plötzlich muss sie sich auch noch von den Sternenkriegern verstecken, die es auf sie abgesehen haben. Was hat das alles mit ihr zu tun? Und kann sie Hayes Hallender wirklich vertrauen?

Vorneweg sei erwähnt, dass ich wirklich Spass hatte, das Buch zu lesen. Es hat für ein paar unterhaltsame Lesestunden gesorgt und ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Bedürfnis, das Buch wegzulegen. Dennoch kann ich die bisherigen und grösstenteils 5-Sterne-Rezensionen nicht ganz nachvollziehen. Die Geschichte hat zwar Potenzial, hat aber auch viel davon verschenkt. Unter anderem durch Logikfehler, nicht nachvollziehbarer Entwicklung der Charaktere und eingebaute Weisheiten, die meines Erachtens aber irgendwie fehl am Platz und vor allem in der falschen Zeitform waren. 

"Die Nacht der fallenden Sternen" ist wohl das erste Buch überhaupt, bei dem ich sagen muss: Das hätte man besser in zwei oder sogar drei Teilen geschrieben. Warum?, mögt ihr euch fragen. Nun, Luna, unsere Hauptprotagonistin, ist noch nie ausserhalb des Palastes gewesen und doch liebt das Volk sie. Sie ist zu Beginn der Geschichte ein verängstigtes Prinzesschen, aber schon nach kurzem eine mutige junge Frau, die ein Land regieren will. Die Gegner - allen voran die Sternenkrieger - lassen sich recht schnell umstimmen. Luna nennt den Sternenkrieger "Raven" und plötzlich nennen ihn alle so, ohne dass sie das je erwähnt hat. Insgesamt wirkt alles, als hätte es zu wenig Zeit gehabt, sich zu entwickeln.

Trotz der erwähnten Schwächen hat mich das Buch wie gesagt gut unterhalten. Vor allem die Sternenkrieger haben mir sehr gefallen und mitunter die letzten paar Kapitel, die hatten es so richtig in sich. Das Buch an und für sich war also durchaus lesenswert, hat aber einfach noch Luft nach oben. Nebenbei sei noch erwähnt, dass es auch gewalttätige Darstellungen und Missbrauch beinhaltet, womit ich persönlich das Buch eher ab 16+ resp. 18+ sehe und keinesfalls - wie vom Verlag angegeben - als 14+. Märchenadaption hin oder her.

Havendor ist Hauptschauplatz der Geschichte. Ein Land, in denen die früher magiebegabten Familien herrschen und die Armen, Thrall genannt, in der Stadt Lymerik verrotten. Mit harter Hand regiert Lunas Vater über alles, und die Verzweiflung ist gut herübergkommen.

Das Worldbuilding fand ich sehr gelungen. Mächtige Familien, viel Ungerechtigkeit, armes Volk, mysteriöse Sternenkrieger - ein guter Mix in der Fantasy. Besonders die Abstecher nach Lymerik in die Quartiere der Armen waren gut umgesetzt. 

Luna ist die gutbehütete Tochter des Herrschers von Havendor. Sie war mir zu Beginn so gar nicht sympathisch, kann sie doch kaum selbstständig denken. Mit der Zeit ist das etwas besser geworden, aber so richtig überzeugen konnte sie mich nicht. Auch ihre Gefühlswelt konnte ich nicht nachvollziehen - verliebt sie sich doch innerhalb von ein paar Stunden einfach mal in einen Jungen, der eigentlich ihr Feind ist.

Hayes ist der Neffe des Anführers der Hallendors. Er ist... irgendwie ziemlich blass geblieben. Bis zum Schluss konnte er mich nicht abholen, Sympathie habe ich auch nicht empfunden für ihn, geschweige denn das Schwärmen, das Luna für ihn aufbringt.

Raven, der Sternenkrieger, hingegen fand ich sehr gelungen. Menschen und ihre Gebräuche und Gefühle sind ihm fremd, und er versucht, dies zu verstehen. Er ist wirklich gut umgesetzt und in die Geschichte integriert worden.

Nebenbei gibt es natürlich noch andere Charaktere. Aber auch diese hatten zu wenig Platz, sich zu entwickeln. Mara, das Dienstmädchen, hasst die Herrscher und Luna und doch ist sie innert eines halben Tages plötzlich ihre beste Freundin. Macaulay Hallender, Anführer seiner Familie, ist einfach nur ein Ekelpaket und dient wohl auch nur dazu. Und über die beiden Schwestern, die am Schluss des Buches auftauchen, wundere ich mich jetzt noch...

Eine durchaus unterhaltsame und stellenweise sehr spannende und poetische Märchenadaption, die meiner Meinung nach aber leider nicht hält, was sie verspricht. Die Geschichte und die Protagonisten erhalten viel zu wenig Platz, sich zu entwickeln und auch sonst gibt es noch einige Luft nach oben.





An dieser Stelle möchte ich mich noch ganz herzlich beim Verlag
für das Rezensionsexemplar bedanken!

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