Dienstag, 29. Mai 2018

[Rezension] Die Verzauberung der Schatten - V. E. Schwab

Titel: Die Verzauberung der Schatten
Autorin: V. E. Schwab
Verlag: Fischer TOR
Seitenzahl: 640
ISBN: 
978-3-596-29633-0
Übersetzer: Petra Huber
Originaltitel: A Gathering of Shadows

Band: 2 von 3

Weltenwanderer
01 Vier Farben der Magie
02 Die Verzauberung der Schatten
03 Die Beschwörung des Lichts




"Das Spiel des Lebens", meinte Lila, während sie über die Tanzfläche wirbelten, "und des Todes."
"Wie meinst du das?"
"Alle glauben, dass ich mich nach dem Tod sehne. Doch ganz im Gegenteil - ich möchte leben, denn zu sterben wäre viel zu einfach!"

(S. 546)



Vier Monate sind vergangen, seit sich die Wege von Antari Kell Maresh und der Diebin Lila Bard getrennt haben. Vier Monate, in denen Kell das Misstrauen der Bevölkerung des roten Londons und gar seiner eigenen Familie aushalten muss, und vier Monate, in denen Lila auf einem Piratenschiff alles über Freiheit und Magie lernt, was sie kann. Nun versammelt sich die halbe Welt im roten London, denn das Spiel der Elemente steht an - ein Wettkampf zwischen den stärksten Magier der Welt.

Band 1, "Vier Farben der Magie", hatte mir ja wirklich gut gefallen, und während ich da noch die vielen Klammern und die kursiven Einschübe kritisiert hatte, hat sich dies in diesem zweiten Band sehr zum besseren geändert. Der Schreibstil ist wieder interessant und lässt sich gut und flüssig lesen, die Kapitel sind aus verschiedenen Sichtweisen geschrieben, was mir gut gefällt.

Vor vier Monaten ist Lila ohne sich umzudrehen auf und davon. Seither arbeitet sie als Diebin auf einem Freibeuterschiff und lernt die Grundlagen der Magie beim berüchtigten Piraten Alucard Emery. Kell hingegen geht es alles andere als gut, denn weder sein Volk, noch seine Familie vertrauen ihm noch, er wird mehr denn je überwacht und fühlt sich gefangen. Gut, dass das Essen Tasch, das Spiel der Elemente ins rote London kommt, so kann Kell sich - unerkannt natürlich - unter die Wettkämpfer mischen. Auch Alucard und Lila wollen sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Und während aller Augen auf das Essen Tasch gerichtet sind, bereitet sich im schwarzen London etwas Böses darauf vor, die anderen Welten einzunehmen, und im weissen London kommt mit einem neuen Herrscher eine neue Zeit...

Was soll ich sagen? Während ich Band 1 nach ein paar Startschwierigkeiten regelrecht verschlungen habe und wahnsinnig spannend fand, lässt mich der zweite Teil etwas enttäuscht zurück. Kaum mehr spannender Inhalt, nur noch viel Gerede über das Essen Tasch, ein Wettbewerb, in welchem sich die stärksten Magier der Welt bekämpfen, und die Feierlichkeiten rund herum. Nur die einzelnen Kapitel aus dem weissen London haben vage an die Spannung aus Band 1 anknüpfen können. Meiner Meinung nach wird viel zu viel Zeit auf den Wettbewerb, die Kämpfer und die Kämpfe an sich, und die darauffolgenden Feierlichkeiten verschwendet, ich weiss ehrlich gesagt immer noch nicht, was das alles mit dem "grossen Ganzen" der Trilogie zu tun hat.

Während ich im ersten Teil zum Fan von Lila wurde, weil sie einfach eine tolle Protagonistin ist, bekommt sie in diesem zweiten Teil eine Art zweite Seite an sich. Denn nun ist sie nicht nur Powerfrau und Freigeist, sondern plötzlich auch Magierin. Und das ziemlich "imba", also unschlagbar. Ja, es gab Hinweise dazu in Band 1, ja, ich habe mich darauf gefreut. Aber ohne allzu grosse Übung schafft sie natürlich Dinge, die andere Magier nie schaffen. Ich hoffe wirklich auf eine gute (!) Auflösung dieser Tatsache im letzten Teil!

Wirklich viel Überraschung birgt "Die Verzauberung der Schatten" leider nicht. Auf vieles wurde im ersten Teil hingedeutet, anderes wird dem Leser recht schnell klar, und der grosse "Knall", auf den ich gehofft habe, blieb aus. Auch der Wettbewerb Essen Tasch brachte keinen Plott-Twist mit sich, im Gegenteil, alles war ziemlich vorhersehbar. So lässt mich Band 2 etwas enttäuscht zurück.

Der Leser verbringt viel Zeit mit Kell und Lila im roten London; sowohl auf dem Festland, in der Hauptstadt, als auch auf hoher See. Wobei von letzterem hatte ich mir etwas mehr erwartet...

Die komplexe Welt der vier London wird zu meiner Enttäuschung im zweiten Teil nicht weiter ausgebaut oder vertieft. Es gibt zwar ein paar Infos zu anderen Völkern/Ländern im roten London, das war es dann aber auch schon wieder. Kell selber reist nur kurz zwischen den Welten hin und her, und so erfahren wir da auch nicht viel mehr.

Lediglich die Entwicklung des weissen London fand ich wirklich spannend, wenn auch irgendwie erschreckend. Ich bin hier definitiv gespannt, was noch kommt! 

Lila Bard ist in diesem zweiten Teil wesentlich präsenter. Sie hat sich auf einem Freibeuterschiff einen Namen gemacht, segelt um die Welt und lernt die Grundlagen der Magie. Sie war mir immer noch sehr sympathisch - aber wie schon erwähnt wird sie plötzlich fast schon allmächtig, was ich gar nicht toll finde.

Lila legte die meisten Regeln aus, wie es ihr gefiel; alle anderen brach sie. Und sie wollte endlich wissen, warum das so war.

(S. 166)


Kell hat eine Rückwärtsentwicklung hinter sich. Sprich: Er ist weniger selbstbewusst, öfter verstimmt und ich habe ihn tatsächlich ein wenig als depressiv empfunden. Diese Entwicklung war zwar etwas überraschend, hat mir indes wirklich gut gefallen. Kell bekommt mehr Tiefe, man spürt ihm die Verzweiflung und auch die Last seiner Taten gut an. 

Neu in der Geschichte ist Alucard Emery, berühmt-berüchtigter Pirat und Schürzenjäger. Zu Beginn fand ich ihn wahnsinnig toll, was aber nach und nach abgeflaut ist. Irgendwie war er mir ein wenig zu perfekt, ein bisschen zu überzeichnet. Dennoch ein interessanter Charakter, auf dessen Rolle ich in Band 3 gespannt bin.

Auch Prinz Rhy hat ein wenig mehr Platz für seine Rolle erhalten. Ihn mag ich sehr gerne, seine aufmüpfige Art. Auch er hat sich aber ein wenig verändert, ist nachdenklicher, ängstlicher und ja, auch diese Entwicklung fand ich sehr passend und gelungen.

Band 2 konnte mich leider nicht mehr ganz so überzeugen wie sein Vorgänger. Wenig Spannung, zu viel Trara um ein - meiner Meinung nach nicht wirklich relevantes Fest -, zu vorhersehbar, und nicht jede Charakterentwicklung konnte mich überzeugen. Dennoch bin ich gespannt auf den abschliessenden Teil der Trilogie.



An dieser Stelle möchte ich mich noch ganz herzlich beim Verlag
für das tolle Rezensionsexemplar bedanken!


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