Montag, 1. Januar 2018

[Rezension] Elfenspiel - Jess A. Loup


Titel: Elfenspiel
Autorin: Jess A. Loup
Verlag: Dark Diamonds
Seitenzahl: 390
ISBN: 
978-3-646-30085-7
Band: 1 von 3


Enchanted
01 Elfenspiel
02 erscheint Februar 2018
03 erscheint April 2018




"Und wenn du mich lässt, werde ich dem Ruf, den die Sidhe vom Lichten Hof unter euch Menschen geniessen, gerecht werden und mich noch oft als Dieb betätigen."
[...] "Als Dieb?"
"Oh ja, als Dieb. Wenn du nicht aufpasst, werde ich dir Küsse stehlen. Viele Küsse."

(S. 58)



Für Kronprinz Tyric vom Lichten Hof der Sidhe beginnt mit der Volljährigkeit die Hatz: 30 auserwählte junge Ladies jagen ihn, und nur die, die sich als gerissenste und stärkste herausstellt und ihn zu überwältigen vermag, wird zu seiner Frau - seiner Königin. Doch etwas geht nicht mit rechten Dingen zu und durch schwarze Magie wird Tyric zur Flucht gezwungen. Im Reich der Menschen findet er Zuflucht in einer Waldhütte. Dorthin hat sich auch Faye zurückgezogen, die ihrerseits vor ihrem Schicksal flüchtet.

Ich war vom ersten Moment an verliebt in das wunderschöne Cover. Allein vom Klappentext hätte ich eine leichte, eventuell sogar jugendliche Geschichte erwartet und wurde positiv mit einer High Fantasy-Story erster Klasse überrascht. Der Schreibstil der Autorin ist wahnsinnig toll, genau nach meinem Geschmack; geübt, gekonnt und rundum perfekt zur Geschichte passend. So vernarrt in einen Schreibstil war ich schon lange nicht mehr!

Der Prinz der lichten Elfen, Tyric, nimmt an der traditionellen Hatz teil; er bekommt zwei Stunden Vorsprung und wird dann von den fähigsten Ladies des Reiches gejagt, von denen eine seine Königin wird. Doch dieses Mal ist schwarze Magie im Spiel und nur knapp entkommt Tyric dieser. Er sieht sich zur Flucht gezwungen und landet im Reich der Menschen in einem verwunschenen Wald. In demselben versteckt sich Faye, eine Fürstentochter, vor dem Herrscher Danian, der sie wegen einer Prophezeiung tot sehen will. 

Mal abgesehen vom wunderbaren Schreibstil, war ich auch sofort verliebt in die Welt, die Jess A. Loup geschaffen hat. Das Reich der Sidhe (der Elfen) und das Reich der Menschen, die verschiedenen Charaktere, die Orte, das Geschehene, all das hat mich vollkommen überzeugt. Die Kapitel sind abwechslungsweise aus Tyric's und Faye's Sicht geschrieben und zwischendurch kommt eines aus der Sicht des Kanzlers der Menschen oder des Hauptmanns der Sidhe. So behält man als Leser wunderbar den Überblick und wird über alles wichtige informiert - gleichzeitig bleibt Spielraum für Vermutungen und Rätsel.

Auch wenn das Buch phasenweise nicht mit Tempo oder Action aufwartet, so passiert doch stets etwas, das mich fesseln konnte. Tyric, der sich zu seinem Schutze als seinen Freund ausgibt, und Faye, die erblindet ist, aber auf Genesung hofft, arrangieren sich miteinander, was zu der einen oder anderen witzigen Szene führt. Natürlich kommen die beiden sich immer etwas näher, und die zarte Liebesbande fand ich einfach wunderbar.

"Ich möchte dich küssen und ich will noch so viel mehr, aber Küssen, mein Herz, ist ein guter Anfang."

(S. 209)


Besonders gut gefallen hat mir das Aufeinandertreffen zweier Kulturen. So müssen sowohl Faye als auch Tyric erst mit ihren Vorurteilen aufräumen und merken nach und nach, dass ihre Völker zwar grundverschieden, sich aber doch irgendwie auch ähnlich sind.

Der grösste Teil der Geschichte spielt im verwunschenen Wald Raugil im Reich der Menschen. Der Wald wird von den meisten Wesen gemieden, und so ist der das perfekte Versteckt für Faye, die auf der Flucht ist. Man erfährt aber auch viel über das Reich der Menschen an sich und selbes über das Reich der Sidhe.

Das Worldbuilding fand ich sehr gelungen und ausgeklügelt. Tatsächlich sind die Belange der Menschen sehr komplex. Intrigen am Hofe, hinterhältige Pläne, widerwärtige Herrscher. Aber auch die Sidhe sind nicht ohne, sie haben einen gewissen Ruf bei den Menschen, dem sie nur zu gerne gerecht werden, denn sie sind doch ein wenig arrogant und sehen die Menschen als primitives Volk an. Neben den Menschen und den Elfen schneidet das Buch auch andere Wesen an, so zum Beispiel Todesfeen (Banshees), Hexen, Gnome, Zwerge, Einhörner und gar Drachen. Ich hoffe auf einen tieferen Einblick in diese wunderbare Welt im nächsten Band.

Faye ist die Tochter eines Fürsten, die als Geisel am Hof des Herrschers gehalten wird. Als sie herausfindet, dass sie vermutlich eine alte Prophezeiung erfüllen und in ihr Hexenblut fliessen soll, täuscht sie ihren Tod vor und flieht in die Wälder. Dass sie erblindet, ist ein Zeichen, dass die Prophezeiung wahr wird, aber ihre Blindheit lässt nicht nach und ihre Kräfte erwachen nicht, was sie zunehmend verzweifelter macht. Faye war mir von Anfang an sehr sympathisch. Sie ist eine Kämpferin, selbstbewusst, aber doch durch die Konventionen gebunden.

Tyric ist der Kronprinz der lichten Sidhe und - wie man sagt - ein verwöhnter Schnösel. Insgeheim wurde er aber durch den Hauptmann trainiert, was ihn ein wenig abgehärtet hat. Ich muss gestehen, dass ich mein Herz recht rasch an Tyric verloren habe. Er ist echtes Bookboyfriendmaterial.

Neben den Hauptprotagonisten sind vor allem der Hauptmann der Sidhe, Sullivan, als auch der Herrscher der Menschen, Danian, und dessen Kanzler Sirus wichtige Charaktere der Geschichte. Sullivan war mir auf Anhieb sympathisch, wohingegen ich weder Danian noch Sirus ins Herz schliessen konnte. Dennoch sind auch die unsympathischen Charaktere wunderbar ausgearbeitet und kommen glaubhaft herüber.

Jess A. Loup hat mit diesem Auftakt eine unglaublich magische Geschichte geschaffen. Charaktere wie auch Worldbuilding sind perfekt ausgearbeitet, der Schreibstil zeugt von grossem Können und mich hat das Buch einfach von der ersten bis zur letzten Seite überzeugt. Ich warte sehnlichst auf die Fortsetzung!



An dieser Stelle möchte ich mich noch ganz herzlich beim Verlag

für das tolle Rezensionsexemplar bedanken!

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