Dienstag, 26. Dezember 2017

[Rezension] Zeitenliebe: Nur zu zweit sind wir eins - Ewa A.



Titel: Nur zu zweit sind wir eins
Autorin: Ewa A.
Verlag: Dark Diamonds
Seitenzahl: 242
ISBN: 
978-3-646-30089-5

Band: 1 von 2

Zeitenliebe
01 Nur zu zweit sind wir eins
02 Zwei Seelen in einem Herz (ET noch unbekannt)






Nein, sie musste sich mit der unglaublichen, aber bitteren Wahrheit abfinden: Sie war durch die Zeit gereist und im tiefsten Mittelalter aufgeschlagen.

(S. 23)


Als Esther beim Umgraben ihres Gartens einen antiken goldenen Armreif findet, ist sie hin und weg. Doch als sie ihn anzieht kommt sie kurze Zeit wieder zu sich - mitten auf einem Feld. Erst verwundert, muss sie bald die bittere Wahrheit einsehen: Sie ist in der Zeit gereist, ausgerechnet zurück ins 15. Jahrhundert! Ihr bleibt nur eins übrig; den Armreif zu finden um zurück in ihre Zeit zu kommen. Doch leichter gesagt als getan, denn das Mittelalter ist ihr nicht gerade freundlich gesinnt und Unterstützung erhält sie nur vom dunklen aber attraktiven Herzog von Gerwulf.

Als ich das Cover gesehen und die Inhaltsangabe gelesen hatte, war für mich klar; dieses Buch werde ich lesen! Für mich war es das erste Buch der Autorin. Band 1 der Dilogie "Zeitenliebe" ist bereits im Selfpublishing erschienen und hat nun ein neues Zuhause bei Dark Diamonds gefunden. Der Schreibstil lässt sich schnell und gut lesen, auch wenn für mich der Erzählstil etwas besonders war, zumal es sich um einen allwissenden (auktorialen) Erzähler handelt. Dadurch hatte ich zwischendurch etwas Mühe, die Gefühle/Gedanken den richtigen Personen zuzuordnen und ich habe ehrlich gesagt auch keine persönlich Bindung zu den Protagonisten aufbauen können. Trotzdem - und auch wenn man über die wenigen aber doch vorhandenen Grammatik- und Kommafehler hinweg sieht - lässt sich das Buch wirklich angenehm und rasch lesen.

Esther hat sich früh selbstständig gemacht, führt ein kleines Café und ist glücklich, bis auf die Tatsache, dass sie sich alleine fühlt. Als sie in ihrem Garten arbeitet, gräbt sie einen antiken Armreif aus, der es ihr sofort antut. Bei Recherchen im Internet zieht sie sich den Armreif gedankenverloren über und wacht kurze Zeit später mitten im Nirgendwo auf. Schnell stellt sich heraus, dass sie irgendwie im Mittelalter gelandet ist. Doch mit den falschen Kleidern fällt sie schnell auf und bevor sie es sich versieht, wird sie bereits Opfer eines Verbrechens. Als sie wieder zu sich kommt befindet sie sich in den Gemächern des Herzogs Nickolas von Gerwulf. Einem ziemlich gut gebauten und attraktiven, wenn auch etwas grobschlächtigen Mann, der ihr Herz seltsamerweise höher schlagen lässt...

Mir hat gut gefallen, dass die Geschichte so schnell voran geschritten ist. Keine kapitellangen Vorgeschichten, kein ewiges Rätselraten der Protagonistin, nein, man ist ohne viel Geplänkel einfach mitten im Geschehen drin. Klar wurde das Rad nicht neu erfunden, aber Spass hat es allemal gemacht. Das Mittelalter, hier das 15. Jahrhundert, wurde authentisch dargestellt, die Charaktere sind interessant gehalten und irgendwie passiert immer etwas.

Esther hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihren Goldarmreif wieder zu beschaffen, muss sich dafür aber erst das nötige Kleingeld, äh Gold verdienen. Sie verbleibt auf dem Sitz des Herzogs und arbeitet als Dienstmagd, wo sie sich schnell Freunde - aber auch Feinde schafft. Natürlich fällt sie immer wieder auf - sie verbessert den Hygienestandard, weigert sich, ohne Unterwäsche aus dem Haus zu gehen und flucht öfters, als es sich für eine Frau geziemt. Aber Herzog Nickolas ist sofort von ihr und ihrer Art angetan. Dass sich da eine Liebesgeschichte entwickelt, ist natürlich von vornherein klar und gewisse Dinge sind natürlich auch vorhersehbar. Andererseits wird es gegen Ende richtig dramatisch und mir hat der in sich abgeschlossene Ausgang der Geschichte gut gefallen.

Das Aufeinandertreffen von Gegenwart und Vergangenheit ist sehr unterhaltsam umgesetzt. So weiss sich die Protagonistin nicht anders zu helfen, als als Herkunft Mordor und als ihren König Sauron anzugeben. Dies wird auch immer wieder aufgegriffen und sorgt für den einen oder anderen Lacher. Auch andere Szenen sind wirklich komisch dargestellt und haben mich bestens unterhalten. Was mich ein klein wenig gestört hat waren erstens, dass der Herzog Esther immer als "kleine Esther" anspricht (sowas kann ich einfach nicht ab) und, dass das Buch phasenweise ein klein wenig zum Schundroman mutiert ist. Aber ansonsten wurde ich gut unterhalten.

Die Geschichte spielt im wohl fiktiven Briezbach in (vermutungsweise) Deutschland. In der Gegenwart wird nicht viel Zeit auf das Setting vergeudet, in der Vergangenheit dafür umso mehr.

Strassen voller Unrat, Frauen als Lustobjekte, Badehäuser, Krankheiten, raue Sitten, all das kommt wahnsinnig gelungen herüber. Esther muss sich natürlich erst an die neuen Umstände gewöhnen, was ich ebenfalls gut umgesetzt fand. Natürlich ist das Mittelalter düster und dunkel und so kommen auch öfters brutale Szenen (Stichwort: Hexenjagd) oder Andeutungen vor. Mich persönlich hat das jetzt nicht gestört, ich fand es durchaus passend, aber ich würde das Mindestalter für das Buch von 16 auf 18 Jahre erhöhen. 

Esther, 23 Jahre jung, hat sich früh selbstständig gemacht und ist gerne ihr eigener Chef. Sie war mir (bis auf ihren Namen - aber das ist Geschmackssache) sehr sympathisch. Vor allem wenn sie wütend wird, lässt die Gute den einen oder anderen Fluch los und sorgt für gute Unterhaltung. Natürlich kommt ihr das im Mittelalter nicht immer zugute, aber mich hat es sehr amüsiert.

Nickolas hingegen war mir nicht sehr sympathisch. Was wohl daran liegt, dass er der typische Ritter im Stil von "ich kriege jede Frau" ist und auch sonst natürlich sehr stereotypisch; dunkle Haare und Augen, geheimnisvoll, muskulös und gut gebaut (in jeder Hinsicht). Erst gegen Ende wurde ich mit ihm einigermassen warm.

Die Charaktere bleiben - aufgrund des Erzählstils - etwas blass, haben mir aber gut gefallen. Jeder spielt seine Rolle gut, ist entweder sympathisch oder gar nicht, manche Charaktere sind sogar besonders verabscheungswürdig.

Trotz des ungewöhnlichen Erzählstils und ein paar kleinen Schwächen wurde ich sehr gut unterhalten. Die Geschichte lässt sich schnell und locker lesen und eignet sich bestens für einen kurzen Abstecher ins dunkle Mittelalter.




An dieser Stelle möchte ich mich noch ganz herzlich beim Verlag


für das tolle Rezensionsexemplar bedanken!

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