Montag, 13. November 2017

[Rezension] Immortal Love. Ein Hauch von Menschlichkeit - Claudia Romes





Titel: Immortal Love. Ein Hauch von Menschlichkeit
Autorin: Claudia Romes
Verlag: Dark Diamonds
Seitenzahl: 415
ISBN: 
978-3-646-30053-6







"Ich bin all das, was du abgrundtief hasst. Ich bin derjenige, der euch das Licht raubt, denn ich selbst bin die Finsternis.

(S. 134)

Als Sarah Heys auf der Heimfahrt von einer Party kurz einnickt, verunfallt sie schwer. Dem Tode nah bekommt sie nur noch mit, dass ein Mann an die Unfallstelle kommt, sie aus ihrem Wagen und damit ihr Leben rettet. Wochen später trifft sie im Café ihrer Eltern auf IHN, den Mann, der sie gerettet hat, von dem alle glauben, sie habe ihn sich in ihrer Not ausgedacht. Doch er gibt sich unnahbar und geht nicht auf sie ein. Sarah forscht weiter, findet heraus, dass er ein Erbe der Stackmores ist, auf denen ein Fluch liegen soll und die alle aus ihrem Ort meiden. Doch sie fühlt sich unerklärlich zu ihm hingezogen, und sowieso, Flüche gibt es nicht, das sind alles alte Legenden...

Das Cover hat mich von Anfang an extrem angesprochen. Ich habe schon den einen oder anderen Roman in diese Richtung gelesen, weshalb ich erst etwas skeptisch war, aber dann habe ich mich einfach in die Seiten gestürzt. Und ich wurde nicht enttäuscht. Der Schreibstil der Autorin ist unglaublich schön und mystisch, passt perfekt zum Buch und der Stimmung, und die kurzen Kapitel sorgen dafür, dass man regelrecht durch die Geschichte fliegt.

Sarah Heys nickt auf der Heimfahrt in ihrem Auto ein und verunfallt schwer. Nur knapp entrinnt sie dem Tod und sie ist sich sicher, dass ein geheimnisvoller Fremder sie gerettet hat - doch niemand will ihr glauben. Bis der Fremde ausgerechnet im Betrieb ihrer Eltern auftaucht. Er stellt sich als Zachary Stackmore heraus, Erbe des Schloss Glamis, um das sich grausame Legenden ranken. Doch Sarah gibt nicht viel auf Legenden und das Geschwätz der anderen, auch wenn die anhaltende Dunkelheit in ihrer Ortschaft ihr langsam etwas seltsam vorkommt - genauso wie der Umstand, dass sie sich öfters verletzt, ohne Schäden davon zu tragen. Und genauso wie der Umstand, dass sie sich ungewöhnlich stark zu Zachary hingezogen fühlt, auch wenn sie ihn kaum kennt.

Die Geschichte startet mit einem Rückblick auf Schloss Glamis, mit dem Ursprung einer Legende, eines furchtbaren Fluches. Recht schnell ist klar, dass wir es hier mit Vampiren zu tun bekommen - aber mit völlig anderen, als wir es uns gewohnt sind. Denn hier ist der Vampirismus ein Fluch, etwas Furchtbares, und so umgesetzt, wie ich es definitiv noch nie erlebt habe. Und es hat mir wirklich unglaublich gut gefallen.

Mit einem ganz besonderen Stil führt die Autorin durch die Geschichte. Richtig mystisch und geheimnisvoll, irgendwie schwer, und ich hatte das Gefühl, nonstop unter verstärktem Herzklopfen zu leiden - etwas, was ich so schon lange nicht mehr in einem Buch gefunden habe. Während sich alle und jeder gegen Sarah und vor allem gegen Zachary wendet, kommen die beiden sich näher und Sarah dem Geheimnis der Familie Stackmore immer mehr auf die Spur.

"Immortal Love" war für mich ein absoluter Höhenflug mit einer etwas ruppigen Landung. Denn das Ende ist zwar ganz nach meinem Geschmack, aber irgendwie hat hier der Schreibstil urplötzlich nachgelassen, ist von wunderschön zu durchschnittlich gewechselt, was mich ehrlich gesagt etwas enttäuscht hat. Gerade auf der Zielgeraden sollte eine Geschichte nicht plötzlich in der Qualität nachlassen.

Mit grosser Freude habe ich bei Recherchen festgestellt, dass der Handlungsort Forfar in Schottland nicht etwa fiktiv sondern ganz und gar real ist. Sogar das Schloss Glamis, auf dem die Stackmores Leben, existiert!

Forfar ist eine typisch schottische Kleinstadt - jeder kennt jeden, es wird viel getratscht und getuschelt, die Jugend will irgenwie weg von dort und doch bei ihrem Wurzeln bleiben. Kurzum: Forfar ist unglaublich charmant und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Hauptschauplatz sind das "Poppy's" - ein traditionsreiches Café - und Schloss Glamis, um das sich furchtbare Legenden ranken, und das ich gerne noch etwas mehr erkundet hätte.

Mit dem Fluch hat die Autorin eine wunderbare Alternative zu den glitzernden und actionliebenden Vampiren der Buchwelt erschaffen, die mich unglaublich packen und mitreissen konnte. Vampire sind hier nicht wirklich eine eigene Spezies, sondern eben eher Verfluchte, und natürlich gibt es auch dazu den Gegenpart in Form der Jäger der Gilde. Mich konnte diese Konstellation komplett überzeugen.

Sarah Heys ist eine junge Frau, die ihren Eltern im Café aushilft, obschon sie eigentlich von grösserem, genauer gesagt von der Universität in Edinburgh träumt. Nach ihrem Unfall verändert sie sich jedoch, nicht nur passieren ihr immer merkwürdige Dinge, sondern sie scheint nahezu magisch zu Zachary hingezogen. Ihre Gefühle spielen komplett verrückt und gleichzeitig ist sie sich sicher, dass sie das Richtige tut. Sarah war mir von Anfang an sehr sympathisch, sie ist ein guter Mensch mit einem guten Herzen, sehr auf die Familie bedacht und genügsam.

Zachary ist der Erbe der Stackmores und ein Geheimnis für sich. Er wirkt unnahbar und zu Beginn auch sehr kalt, aber schnell ist klar; da steckt mehr dahinter! Ich habe tatsächlich ein Teil meines Herzens an ihn verloren, denn er ist ein rücksichtsvoller Gentleman, eine traurige Seele, verloren in einer Welt, die ihm nur Böses will und ihm eine Menge abverlangt. Ein Held, der selber gerettet werden muss.

Neben den beiden Protagonisten bietet das Buch noch eine Menge anderer Darsteller, so zum Beispiel die liebenswürdigen Eltern von Sarah (ein absolutes Traumpaar und Vorbild), ihre beste Freundin, von der ich jetzt noch nicht weiss, was ich von ihr halten soll, Carl, den Bürgermeister und sein ekelerregender Sohn Hamish, Murdoch, den brutalen Jäger, die Gräfin Stackmore, die so undurchsichtig und geheimnisvoll wie Zachary ist und natürlich noch andere Menschen und Nichtmenschen. Alle Charaktere fand ich sehr gelungen und authentisch, liebenswert oder verabscheuungswürdig, alle richtig ausgefeilt und mit einer eigenen Geschichte.

"Immortal Love" ist eine wunderschön ausgearbeitete Geschichte um eine alte Legende, einen schrecklichen Fluch, die nie endende Hoffnung und die einzig wahre Liebe. Magisch und mystisch und unglaublich stimmungsvoll geschrieben, mit überzeugenden Charakteren und einem wunderbaren Setting. 



An dieser Stelle möchte ich mich noch ganz herzlich beim Verlag


für das tolle Rezensionsexemplar bedanken!



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