Samstag, 10. Februar 2018

[Rezension] League of Fairy Tales - Tina Köpke





Titel: League of Fairy Tales. Die letzte Erzählerin
Autorin: Tina Köpke
Verlag: Dark Diamonds
Seitenzahl: 364
ISBN: 
978-3-646-30054-3




Sie musste glauben. Nicht an einen Gott, sondern an sich. Sie musste daran glauben, die Kraft und Fähigkeit zu besitzen, gegen diese völlig neue Welt, die sich neben ihrer eigenen aufgetan hatte, anzukommen. Es war nur nicht so leicht, wie es klang.

(S. 147)


Als Peyton und ihr bester Freund Rufus von einem alptraumhaften Wesen angegriffen werden, verändert sich ihr Leben schlagartig. Denn mit dem Wesen taucht auch Eli auf und eröffnet Peyton, dass sie eine Nachfahrin der Gebrüder Grimm und somit eine Erzählerin ist. Ihre Aufgabe: Die Wesen, die aus der Anderswelt in die Menschenwelt gekommen sind, aufzuspüren und zurückzubringen und beide Welten voreinander zu beschützen. Doch neben ihrer neuen Lebensaufgabe wartet noch eine viel grössere Aufgabe auf Peyton...

Ich hatte das geniale Cover entdeckt und den Klappentext sofort gemocht. Bereits mit den ersten Seiten habe ich mich mit dem angenehmen und lockeren Schreibstil der Autorin anfreunden können. Die Kapitel sind aus der Sicht von Peyton gehalten mit wenigen Abstechern in die Gedankenwelt von Rufus und Eli, was mir gut gefallen hat. Was mich aber ein wenig irritiert hatte, war die Tatsache, dass im Klappentext davon die Rede ist, dass Peyton ihre Kräfte verheimlicht - dabei entdeckt sie diese erst nach und nach...

Peyton ist bei einer furchtbaren Pflegemutter aufgewachsen und gemeinsam mit ihrem besten Freund Rufus von Zuhause abgehauen. Als Eli bei ihrer Arbeit auftaucht und ihr eine kryptische Botschaft hinterlässt, denkt sie sich erst nichts dabei - bis sie und Rufus von einem grausigen pferdeähnlichen Geschöpf angegriffen werden. Schnell stellt sich heraus, dass es neben unserer Welt eine Anderswelt gibt und dass Peyton als Erzählerin dazu vorbestimmt ist, die beiden Welten und ihre Bewohner vor einander zu beschützen.

Die Idee hinter dem Buch finde ich wirklich sehr gelungen. Leider schwächelt es bei der Umsetzung ein wenig. Die Szenen in der Anderswelt sind zwar wahnsinnig interessant und ich habe mich immer wieder darauf gefreut, dafür sind diejenigen in der Menschenwelt irgendwie... fad und langweilig. Peyton kommt in die Liga, wo sie eigentlich ausgebildet werden soll, was aber irgendwie gar nicht richtig passiert. Stattdessen folgen da vor allem Dialoge zwischen Peyton und Eli, Peyton und Rufus, Rufus und der Empfangsdame, Eli und dem Vorsteher der Liga. Wirklich Interessantes habe ich hier nicht erfahren.

Neben der phasenweise Langeweile bei dem Buch sind auch zwei andere Dinge negativ aufgefallen: Erstens die Dreiecksgeschichte - die war für mich einfach null fassbar. Team Rufus oder Team Eli? Ganz ehrlich - ich mag sie beide nicht. Das Zweite war die Tatsache, dass die Geschichte sehr vorhersehbar war. Wer der Bösewicht ist, war schnell klar, und bei vielen Szenen hätte ich mir gewünscht, dass sie anders verlaufen wären - nämlich nicht so, wie ich sie vermutet hatte. Die enthaltene Romantik war also nicht greifbar und die Geschichte nicht wirklich überraschend. Sehr schade, denn Potenzial hätte sie genügend gehabt! Dies beweisen vor allem die Szenen in der Anderswelt.

Die Abschnitte in der Menschenwelt spielen in der fiktiven amerikanischen Stadt Castra City, die - so die Autorin auf ihrer Instagram-Seite - inspiriert von New York und Gotham ist. So düster kam sie mir dann aber nicht wirklich vor. Ehrlich gesagt ist mir von dieser fiktiven Stadt ausser dem Namen auch nicht viel geblieben.

Die Anderswelt hingegen fand ich unglaublich toll. Durch Spiegel oder spiegelnde Oberflächen können gewisse Menschen die Anderswelt betreten. Dort lebt so ziemlich alles, was es in den menschlichen Märchen und Fantasien so gibt, und das zu entdecken hat wahnsinnig Spass gemacht. Ich hätte mir nur mehr solche Szenen gewünscht.

Alles in Allem gefällt mir das Worldbuilding der Geschichte sehr. Zwei Welten, einst vereint und nun getrennt, die unterschiedlicher nicht sein können. In einer herrscht mittelalterliches Flair und Magie, in der anderen die Zukunft und Technik.

Peyton Chamberlain ist eine verletzte Seele, die aber ganz gut auf sich aufpassen kann. Sie scheut sich nicht davor, ihre Fäuste einzusetzen und hat ihr loses Mundwerk nicht im Griff. So richtig warm wurde ich mit ihr aber nicht. Zwar war sie mir stellenweise sehr sympathisch, aber in den darauffolgenden Szenen hat sie es dann wieder ordentlich vermasselt. Dass sie nicht die hellste Birne im Leuchter ist und weder zuhören noch rational denken kann, ist da auch nicht gerade hilfreich.

Rufus Apple (ja, der heisst so, vermutlich weil er ein "Nerd" ist und sich mit IT auskennt...) ist Peytons bester Kumpel und ordentlich in der Friendzone gelandet. Er ist mir leider etwas zu blass geblieben. Scheinbar ist er eine gute Seele, aber neben der Fähigkeit, blind drauf los zu rennen wie Peyton, ist mir nicht viel von ihm geblieben.

Eli war logischerweise das krasse Gegenteil von Rufus: Sittsam, brav und Anzugträger. Ihn fand ich ein klein wenig interessanter und sympathischer, aber der Kerl hat einfach einen Stock im Allerwertesten wie kein anderer Protagonist den ich kenne.

Die restlichen Charaktere der Geschichte waren teilweise interessant, oft überzeichnet und leider auch nicht sehr lebendig. Charaktertechnis war das Buch eher fade.

Das vielversprechende Worldbuilding und die interessante Thematik kann leider nicht vollkommen darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte vorhersehbar ist und voller blasser Charaktere steckt. Das Buch ist gute Unterhaltung für zwischendurch, konnte mich aber nicht vollkommen überzeugen, vor allem da noch viel ungenutztes Potential in ihr steckt.



An dieser Stelle möchte ich mich noch ganz herzlich beim Verlag
für das tolle Rezensionsexemplar bedanken!

Kommentare:

  1. Hallo,
    schade, dass dich das Buch nicht ganz überzeugen konnte. Ich setze es dennoch auf meine Wunschliste, weil die Beschreibung insgesamt klingt, als könnte die Geschichte mir gefallen.
    Viele Grüße
    Anja

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    1. Hei Anja

      Ja auf jeden Fall! Mach dir ein eigenes Bild :)

      LG
      Katy

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