Freitag, 14. April 2017

[Abbruchrezi] Rain - Virginia Bergin


Titel: Rain - Das tödliche Element
Autorin: Virginia Bergin
Verlag: KJB
Seitenzahl: 416
ISBN: 
978-3-7373-5155-3
Originaltitel: The Rain I



Reihe
The Rain
01 Rain - Das tödliche Element
02 Storm - Die Auserwählte




Ich werde jetzt nicht gross erzählen, wie es war in dieser Nacht. Ihr könnt es euch selbst vorstellen. Man muss nur alles im Kopf zusammenrechnen: Mum tot + Henry tot + Schiesserei am Supermarkt + ein prasselnder Killerregen + plärrende Autoalarmanlage + Blitz und Donner + "Top of the World" = ...
(S. 135)

Ruby knutscht gerade mit ihrem neuen Freund auf einer Party, als es beginnt: Der Regen. Doch es ist kein normaler Regen, sondern einer der verseuchten, grausamen Art. Wer immer mit ihm in Kontakt kommt, erleidet starke Schmerzen, kriegt Blasen, beginnt zu bluten und stirbt. Und so beginnt ein Kampf um's Überleben, denn jeder Tropfen Wasser kann tödlich sein und die Welt ist nicht darauf vorbereitet...

Der Einstieg in die Geschichte ist mir sehr leicht gefallen. Der Schreibstil wirkt locker, fröhlich und lässt sich schnell lesen. Die ersten paar Kapitel haben mir auch noch sehr zugesagt, auch wenn schon da aufgefallen ist, dass die Protagonistin - zwar im Teenageralter - etwas sehr naiv und naja, dumm, ist. Der eigentliche Titel dieser Rezension sollte lauten: Nach 160 Seiten aufgegeben - Oder: Wie ich langsam zu alt für Kinder-/Jugendbücher werde.

Aber von Vorne: Das Buch ist aus der Sicht von Ruby geschrieben, die eine Art Katastrophen-Tagebuch führt. Wie lernen den Teenie kennen, sie ist gerade auf einer Party und fühlt sich so richtig gut, da sie a) angetrunken und b) mit ihrem Schwarm am Knutschen ist. So weit so gut und auch noch einigermassen nachvollziehbar. Dann setzt der Regen ein. Wer immer mit ihm in Berührung kommt, der muss leiden, und zwar so richtig. Da habe ich mich dann zum ersten Mal gefragt, warum das Buch ein Kinderbuch (Jugendbuch) ist - denn Menschen, die sich das Gesicht wortwörtlich vom Kopf kratzen sind nicht unbedingt typische Kinderthemen. 

Aber nun gut, da fällt also der Killerregen und ich bin makaber begeistert davon, denn die Stimmung kommt wirklich gelungen herüber. Angst, Panik, was tun? Ruby schafft es nach Hause, wo sie erst mal in Quarantäne gesteckt wird und sich aufregt, dass sie in einen Eimer pinkeln muss und wo sie hundert Mal versucht, ins Internet zu gelangen, obwohl man ihr schon hundert Mal gesagt hat, dass das Internet ausgefallen ist. Hier habe ich dann angefangen, mich zu nerven. Ruby hört nämlich nicht zu. Nie. Und sie kümmert sich auch um nichts anderes als um 1) sich selber 2) ihr Telefon und 3) ihr Make-Up. Ihre Mutter und ihr Baby-Bruder liegen oben tot im Haus aber sie regt sich auf, dass sie ihr Telefon nicht bei sich hat. 

Ich könnte jetzt noch gefühlte tausend Beispiele nennen, warum Ru als Protagonistin das ganze, ja, das GANZE Buch kaputt macht. Auf Seite 160 oder so habe ich das Handtuch geworfen. Ganz ehrlich, was hat sich die Autorin bloss dabei gedacht? Dass das Buch einem kleinen Mädchen oder einem (noch jüngeren) Teenie gefällt, kann ich nachvollziehen, aber was für eine Botschaft gibt die Autorin da mit? Egal was passiert, du musst gut aussehen und immer erreichbar sein? Deine Familie ist nur Nebensache? Da hat sich Virginia Bergin nicht wirklich viel gedacht...

"Rain" spielt irgendwo in England, in einem verschlafenen Dörfchen, das gerne mal als Hippie-Hochburg bezeichnet wird. Ruby lebt dort mit ihrer Mutter und deren neuem Lebenspartner Simon sowie dem kleinen Halbbruder Henry.

Die Umgebung ist hier eigentlich nur nebensächlich, was ich auch ganz okay fand. Wichtig ist der Regen, und was nach/durch ihn passiert. Viele Menschen sterben schon nach dem ersten Schauer, die Regierung ist überfordert, die Läden werden geplündert, es herrscht Anarchie. Die Punkte, die ich für das Buch vergebe, vergebe ich rein für das Feeling, denn das ist wirklich sehr authentisch herüber gekommen.

Ruby, Ru genannt, ist die Hauptprotagonistin und gleichzeitig das Hauptproblem des Buches. Wie schon erwähnt schnallt sie absolut gar nichts und interessiert sich nur für die wichtigen Dinge im Leben - ähm nein, eben gerade nicht. Ich meine, wer denkt schon an Make-Up, wenn vor dem Haus gerade die Nachbarin am verrecken ist? "Rain" ist eins der (zum Glück) ganz wenigen Bücher, die zeigen, wie wichtig eine gute Protagonistin ist. Sie muss noch nicht mal sympathisch sein, aber sie sollte authentisch sein! Und das ist Ru definitiv nicht. Sie ist ein verzogenes, egoistisches Gör. Punkt. Schluss.

Natürlich gibt es ein paar Nebencharaktere, so zum Beispiel Simon, der Stiefvater von Ru. Der ist okay. Mehr aber auch nicht. Ein pedantischer Vogelbeobachter, der aber zumindest begreift, um was es jetzt geht, und dass er nun die Verantwortung über Ru hat und nicht einfach aufgeben kann.

Am sympathischsten und auch am "echtesten" fand ich den jungen Typen vor der Bar "Sun and Moon", der aber nur einen kleinen, einseitigen Auftritt hat. Aber zumindest der konnte überzeugen.

Tolle Thematik, wahnsinnig gute Stimmung. Aber die Protagonistin ist so schlimm, sie macht ALLES kaputt und hat mich zum Abbruch motiviert. Nein danke, so nicht.


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen