Montag, 3. Oktober 2016

[Rezension] Lucrum - Anika Ackermann





Titel: Lucrum
Autorin: Anika Ackermann
Verlag: Selfpublished via Amazon
Seitenzahl: 434
ISBN: 
978-1-523-45633-8
Band: 1 (Band 2 ist in Planung)






"Die Bruderschaft steckt dahinter." Vier Wörter, die alles veränderten.
(S. 76)


Der Dritte Weltkrieg hat alles verändert, vorallem die Menschheit. Manche haben sich weiter entwickelt, haben Gaben entwickelt, oder schlimmeres. In London im Jahre 2050 kämpfen die Schattenbrüder, unter ihnen Emma, gegen die Loge der Lichtritter um die Vorherrschaft der Stadt und die Zukunft der Menschen. Als Emma's bester Freund Liam plötzlich verschwindet, ändert sich alles für die junge Frau. Denn offensichtlich steckt die Bruderschaft dahinter, ihre eigenen Leute! Auf der Suche nach ihrem Freund bekommt Emma unerwartete Unterstützung vom Formwandler Timotheus und dem Lichtritter Noah - und sie muss erfahren, dass mehr hinter Liam's Verschwinden steckt, als sie je hätte ahnen können...

"Lucrum" habe ich bei der lieben Autorin höchstpersönlich gewonnen und mich wahnsinnig darauf gefreut. Nicht nur, weil das Cover (das sie selbst entworfen hat) ein echter Hingucker ist, oder das Buch in einer meiner Lieblingsstädten spielt, sondern auch weil mich der Inhalt wahnsinnig angesprochen hat. Schon nach den ersten paar Seiten hat sich der tolle Schreibstil der Autorin herauskristallisiert. Ehrlich gesagt war ich schon ein wenig skeptisch, da ich leider mit Selfpublishern nicht nur gute Erfahrungen gemacht habe. Vor allem gerade was Rechtschreibung und Schreibstil angeht. Doch Anika Ackermann hat mich sofort positiv überraschen können. Fehler habe ich in dem kaum gefunden und der Schreibstil ist wirklich toll und einnehmend und manchmal wunderschön poetisch.

Leider hatte ich trotzdem einen schwierigen Einstieg in das Buch. Es hat mich zwar interessiert und das Worldbuilding hat mich echt umgehauen, aber irgendwie ist der Funke nicht übergesprungen. Das hat sich dann zum Glück ab Mitte des Buches geändert. Da wurde es dann richtig spannend, die Geschichte hat unglaublich Fahrt aufgenommen und mich mitgerissen. Die Idee des umkämpften Londons der Zukunft hat mir sehr gut gefallen.

Die Liebesgeschichte in "Lucrum" drängt nicht in den Vordergrund, was ich eigentlich sehr schätze. Die Gefühle der Protagonisten diesbezüglich waren für mich aber leider auch gar nicht greif- geschweige denn begreifbar. Für den schwierigen Einstieg, die etwas unstimmige Liebesgeschichte und die Schwächen bei den Protagonisten, auf die ich noch näher eingehen werde, muss ich den Buch einen Punkt Abzug geben.

Das Worldbuilding hat mich wie gesagt sehr begeistert. Die Geschehnisse des Buches spielen im London der Zukunft. Die Stadt ist nach dem Dritten Weltkrieg ziemlich zerstört und wird sowohl von den Schattenbrüdern als auch von den Lichtrittern besiedelt und umkämpft.

Die Autorin hat sich wirklich enorm Mühe damit gegeben und alles detailliert wiedergegeben. Wer schon einmal in London war, wird hier seine Freude daran haben. Die zerstörte Stadt, in der die Sonne nicht mehr scheint (was leider nicht aufgelöst wurde, warum genau - oder hab ich das nicht mitbekommen?), ist sehr authentisch beschrieben. Dieses Düstere hat richtig auf mich übergegriffen.

Die "Hauptsitze" der beiden Gruppierungen haben mir auch gut gefallen. Während die Bruderschaft in einem Hochhaus logiert, bleiben die Lichtritter in ihrem unterirdischen Schloss. Beide waren sehr eindrücklich beschrieben.


Emma, 17 Jahre jung und Mitglied der Bruderschaft. Mit ihr bin ich bis zum Schluss leider nicht warm geworden. Sie soll ja die "böse Seite" verkörpern. Emma ist mit ihren 17 Jahren bereits eine der besten Kämpferinnen der Bruderschaft - etwas was ich in vielen Büchern immer wieder bemängeln muss... das ist für mich einfach unlogisch. Nun gut, das ist Jammern auf hohem Niveau. Aber dennoch, dieses "Böse" in ihr war für mich nicht authentisch, nicht greifbar. Für mich kam Emma wie eine typische Teenagerin rüber. Weder gut noch böse, sondern einfach zickig und manchmal ziemlich fies.

Noah, Lichtritter und ihr "Gegenspieler". Seines Zeichens einer der Besten der Loge der Lichtritter. Er kämpft mit Herzblut für die gute Sache und weiss dennoch, dass die Welt nicht nur Schwarz und Weiss ist. Er war mir von Anfang an recht sympathisch, wenn auch ein wenig flach.

Dann gibt es da noch den Gestaltwandler Timotheus. Mir ist bis zum Schluss nicht klar geworden, was er mit der Geschichte zu tun hat oder warum er für diese wichtig ist. Ich hoffe, dass da in Band 2 noch einiges aufgeklärt wird.


Nach dem etwas holprigen Einstieg hat mich das Buch fesseln können. Eine wunderbar ausgearbeitete Welt voller Gefahren und Geheimnisse, eine rasante Geschichte und viel Spannung machen die kleineren Schwächen des Buches wieder wett. Freue mich schon auf die Fortsetzung.


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