Dienstag, 11. Oktober 2016

[Rezension] Die Gabe - Amy Ewing

Titel: Die Gabe
Autorin: Amy Ewing
Verlag: FJB
Seitenzahl: 448
ISBN: 
978-3-8414-2104-3
Originaltitel: The Jewel

Band: 1 von bisher 3 (+ 1 eShort)


Reihe
Das Juwel
01 Die Gabe
02 Die Weisse Rose
03 The Black Key
eShort: Das Haus vom Stein


Ich bin angeleint, gefesselt, verhüllt. Zum ersten Mal fühle ich mich wie eine Gefangene.
(S. 150)



In der Einzigen Stadt werden Mädchen mit besonderen Begabungen geboren. Diese Mädchen werden ausgebildet, um später dem Adel zu dienen. Eine von ihnen ist Violet, die eine ganz besondere Begabung im sogenannten dritten Auspizium, dem Wachstum, besitzt. So ist es nicht erstaunlich, dass sie ausgewählt wird, um einem der vier Gründungshäuser zu dienen. Doch bald muss Violet feststellen, dass das Leben im Juwel, im Herzen der Stadt, wo der Adel und das Fürstenpaar wohnen, nicht nur aus schönen Kleidern, glänzendem Schmuck und rauschenden Festen besteht, sondern dass Neid und Missgunst herrschen. Und dass sie als Surrogat, als Dienerin, eine weit schlimmere Funktion hat, als nur mit ihrer Gabe zu dienen...

Ich war ja erst etwas skeptisch. "Das Juwel" ist eines dieser Bücher, das ganz besonders gehypet wurde. Und bekanntlich gefallen mir viele dieser Hype-Bücher nicht sonderlich. Aber dieses hier hat mich eines besseren belehrt und mich voll in seinen Bann gezogen.

Der Schreibstil ist toll und lässt sich richtig schnell lesen, die Seiten fliegen nur so. Die Autorin hat es geschafft, die richtige Stimmung herauf zu beschwören, so dass ich mich an den richtigen Stellen beklemmt, freudig oder traurig gefühlt habe. Das Einzige, was mir nicht so gefallen hat, war, dass so viel Zeit auf die Beschreibung von Kleidern, Schmuck und Frisuren verwendet wurde. Aber das gehört hier wohl einfach dazu.

Die Geschichte von Violet fängt spannend an, man begleitet sie am letzten Tag vor ihrer Auktion, was schon mal eine Menge Fragen und ein mulmiges Gefühl aufwirft. Hier wird schnell klar, in der Einzigen Stadt läuft so einiges, aber fair ist das ganz bestimmt nicht. "Das Juwel" ist eine typische Dystopie, die mich voll überzeugen konnte. Die Zukunftsvision, die die Autorin hier hatte, ist eine ganz furchtbare, und mit jeden Kapitel tun sich neue Abgründe auf.

Einen halben Punkt Abzug gebe ich wegen der Liebesgeschichte. Die taucht nämlich urplötzlich auf und geht ohne irgendwelche Räson einfach los. Mir war das ein bisschen zu schnell und unglaubwürdig. Wie sie sich entwickelt hat, fand ich hingegen wieder gut.

Die Einzige Stadt ist in fünf Ringe aufgeteilt, die jeweils durch Mauern voneinander abgetrennt sind. Soweit nichts Neues. Der äusserste Ring, der Sumpf, ist das Zuhause der Armen, unter anderem auch von Violet's Familie. Im zweiten Ring befindet sich die Farm, wo Tiere gehalten und Lebensmittel produziert werden. Im Dritten, dem Schlot, befinden sich die Fabriken, ein trostloser, grauer, staubiger Ort. Im vierten Ring, die Bank genannt, befinden sich die Geschäfte sowie das Zuhause von Mittelstand und oberer Klasse. Und in der Mitte, das Herz der Stadt bildend, befindet sich das Juwel mit all seinen Palästen und Schlössern und dem Sitz des Fürstenpaares.

Das Setting hat mir gut gefallen. Auch wenn es, wie schon erwähnt, nichts wirklich Neues ist, ist es doch sehr praktisch, um sich zurecht zu finden. Ausserdem sind die Ringe gut beschrieben und auch sonst hat mich das Worldbuilding wirklich überzeugen können.

Violet ist eine sehr sympathische junge Frau. Sie besitzt wie die anderen sogenannten Surrogaten die Gabe, das heisst, sie kann Dinge sowohl farblich als auch formlich verändern und auch wachsen lassen. Aufgewachsen im Sumpf bleibt sie aber stets ihren Wurzeln treu und sehnt sich nach ihrer Familie. Ihr sind Familie und Freunde wichtiger als alles andere, und es gibt kaum etwas, was sie nicht für einen geliebten Menschen tun würde. In ihr schlummert ausserdem eine kleine Rebellin, denn sie begreift schnell, dass im Juwel nicht alles mit rechten Dingen zugeht, was ihr gehörig gegen den Strich geht.

Neben der Hauptprotagonistin tauchen natürlich noch ein paar andere, besondere Charaktere auf, die mich allesamt überzeugen konnten. Wir hätten da zum Beispiel:

Raven, die beste Freundin von Violet. Eine echte Kämpfernatur. Annabelle, die Stumme Zofe von Violet, die ein wahnsinnig gütiges Herz hat und gleichzeitig wahnsinnige Angst vor ihrer Herrin. Die Herzogin vom See, die Herrin von Violet. Sie ist eine sehr undurchsichtige Person. Einerseits grausam, fies und hinterhältig, andererseits bemüht sie sich sehr um ihr Surrogat. Lucien, Zofe der Fürstin und ein geheimnisvoller Typ, gleichzeitig aber irgendwie auch ein Freund für Violet. Ash, ein Gefährte, der sehr unter seinen Entscheidungen leidet und mit Violet jemanden findet, der Ähnliches erlebt hat.

Das Buch sprüht nur so vor tollen und manchmal auch grausamen Charakteren, was ich wirklich sehr gelungen fand.

"Die Gabe" ist ein wunderbarer Auftakt zu einer Reihe, die ich definitiv im Auge behalten werde. Spannung, Geheimnisse, tolle Charaktere, was will man mehr als Leser?

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