Montag, 18. Juli 2016

[Rezension] Watcher. Ewige Jugend - Nadine d'Arachart & Sarah Wedler


Titel: Watcher. Ewige Jugend
Autor: Nadine d'Arachart & Sarah Wedler
Verlag: Impress
Seitenzahl: 314
ISBN: 
978-3-646-6003-22
Band: 1 von 3


Reihe
Niemandsland
1. Watcher. Ewige Jugend
2. Cupid. Unendliche Nacht
3. Saviour- Absolute Erlösung

"Alles, was du bist, ist ein Watcher. Alles, was zählt, ist dein Schutzbefohlener. Die Vergangenheit ist nicht als ein Schatten. Die Zukunft ist nichts als Nebel. Alles, was wichtig ist, ist hier und heute für deinen Schutzbefohlenen zu sorgen."
(S. 68)


Jolette lebt in einer Welt, in der die Kluft zwischen Arm und Reich grösser ist, denn je. Während die Reichsten in den wunderschön gestalteten Metropolen der Freude hinterher jagen und die Arbeiter in verpesteten Aussenbezirken um ihr Leben kämpfen, fristen die Ärmsten der Armen ein schreckliches Dasein ausserhalb der Mauer, im Niemandsland. Jolette selbst gehört zu keiner dieser Menschen, denn sie ist eine Watcher, ein genmanipulierter Mensch, ihre Aufgabe: Patience, Tochter eines der reichsten Männer, vor den Cupid, gefährlichen Kinderfängern, zu beschützen. Dies tut sie mit ganzer Seele und voller Pflichtbewusstsein. Als sie eines Tages Patience vor besonders aufdringlichen Cupid beschützt, muss sie feststellen, dass noch ein zweiter Watcher für den Schützling beauftragt worden ist; der gut aussehende, charmante Cy. Und plötzlich läuft alles aus dem Ruder...

Es ist ziemlich schwierig dieses wunderbare Werk zu beschreiben, ohne gleich alles preis zu geben. Von der ersten Seite an war ich gefesselt von der Welt, die die Autorinnen geschaffen haben. Worldbuilding at its best, würde ich mal sagen. Bei "Watcher" handelt es sich ganz klar um eine Dystopie und Fans dieses Genres werden hier bestens bedient. Es ist eine wahre Freude, die Welt mit Jolette, Patience und Cy zu erkunden.

"Watcher" ist eines dieser Bücher, das ich richtig durchgesuchtet habe und bei dem mich kleinere Logikfehler nicht im geringsten gestört haben. Dennoch gebe ich der Fairness halber einen halben Stern Abzug für diese Fehlerchen und für die Vorhersehbarkeit (mir zumindest war es meist klar, worauf ein bestimmter Plot-Twist hinaus läuft).

"Watcher" spielt in einer Zukunft, die ich mir so nicht wünschen würde. England, Frankreich, Portugal, alle Länder die wir kennen existieren so nicht mehr. Es haben sich riesige Metropolen gebildet: London, Paris, Lissabon (um hier die Hauptorte der Geschichte zu nennen), in denen die Menschen leben, unterteilt in die reichen Industriellen und die armen Arbeiter. Die Metropolen sind von riesigen Mauern umgeben, ausserhalb derer das Niemandsland liegt. Eine trockene, öde Landschaft, die dennoch besiedelt wird von den Menschen, die aus den Metropolen geflohen sind.

Neben den normalen Bürgern leben auch genmanipulierte Menschen und solche mit speziellen Gaben in den Metropolen. Da wären einerseits die Watcher, perfekt ausgebildete Leibwache, die weder Schlaf, noch Essen, noch sonst ein menschliches Bedürfnis befriedigen müssen und andererseits die Cupid, deren Augen aus irgendeinem Grund degeneriert sind, was sie sehr empfindlich gegenüber Licht machen. Die Cupid kennen nur ein Ziel: spezielle Kinder zu fangen, nämlich solche, die eine heilende Gabe haben. Dies tun sie mit äusserster Brutalität und ohne Rücksicht auf Verluste. So ist es selbsterklärend, dass Watcher und Cupid verfeindet sind.

Den beiden Autorinnen ist es wirklich ausserordentlich gut gelungen, diese futuristische Welt zu gestalten und erklären. Ich war mittendrin und es hat mir so viel Freude bereitet, diese Welt zu erkunden.

Jolette, die Hauptprotagonistin, ist eine äussert verantwortungsbewusste Watcher. Für sie gibt es nur ihren Schützling Patience, sie beschützt sie seit sie denken kann. So ist es nicht verwunderlich, dass zwischen den beiden eine enge Freundschaft entstanden ist - trotz des gesellschaftlichen Unterschied. Jolette würde ihr Leben geben für ihre Schutzbeauftragte, doch als sie Cy kennen lernt, beginnt sie, ihr Leben zu hinterfragen. Sie kämpft gegen ihr Pflichtbewusstsein an, denn Cy kommt ihr näher, als er dürfte, was sie in eine schwierige Situation bringt.

Ich hätte nie erwartet, dass Liebe so leichtsinnig macht. Meine Liebe zu Patience hat mich schliesslich stets vorsichtig und vernünftig handeln lassen. Das hier jedoch ist vollkommen anders, und es ist genauso beängstigend wie schön.
(S. 161)

Cy ist der zweite Watcher von Patience. Er ist gut aussehend und charmant und ein bisschen verknallt in Jolette, die er zwangsläufig immer beobachtet hat. Auch für Cy sind seine Überzeugungen das wichtigste, doch sie unterscheiden sich von denen von Jolette. Denn ihm ist das Leben an sich wichtiger, als sein Job als Watcher.

Patience ist die Schutzbefohlene der beiden. In ihr schlummert eine Gabe, auf die die Cupids besonders scharf sind. So kennt sie nur ein sehr behütetes Leben. Sie ist eine sehr aufgeweckte Persönlichkeit und entgegen Jolette's Befürchtungen schlägt sie sich wunderbar in gefährlichen Situationen.

Die Charaktere, die die Autorinnen geschaffen haben sind sehr vielfältig und alle mehr oder weniger tiefgründig. Auch die Cupid, die "Bösen", sind ihnen wirklich glaubhaft gelungen.

Viel schlimmer ist die Tatsache, dass ich, [...] allein mit Cy bin, dass ich hier sitze und er am anderen Ende und dass wir beide das gleiche denken, beide das gleiche fühlen und doch so allein sind. Einsam. Erst seit ich Cy kenne, weiss ich, wie einsam ich eigentlich bin.
(S. 238)

Ein rasanter und sehr fesselnder Auftakt zu einer spannenden Dystopie, die vor allem durch ihren genialen Weltaufbau vollkommen überzeugt. Der Kampf, den Jo, Cy und Patience führen ist beängstigend und ich bin gespannt, wie es mit den dreien weiter geht. Es ist wirklich schwierig, dieses Buch zusammen zu fassen, denn es gibt so vieles zu entdecken, daher: lest es am besten selbst!

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