Freitag, 17. Juni 2016

[Rezension] Spinnenkuss - Jennifer Estep





Titel: Spinnenkuss
Autorin: Jennifer Estep
Verlag: Piper
Seitenzahl: 429
ISBN: 
978-3-492-26940-7
Originaltitel: Spider's Bite

Band: 1 von 7





Reihe
Elemental Assassin
1. Spinnenkuss
2. Spinnentanz
3. Spinnenjagd
4. Spinnenfieber
5. Spinnenbeute
6. Spinnenfeuer
7. Spinnengift


Du wirst dich eines Tages darauf verlassen müssen, Gin. Magie ist genauso stark wie die Person, die sie handhabt. Du bist stark. Sie wird dich deswegen nicht im Stich lassen, weil du dich selbst niemals deinem Schicksal ausliefern wirst.
(S. 123)


Gin Blanco, besser bekannt als "Die Spinne", ist eine gefürchtete Auftragsmörderin und ein begabter Elementar. Sie beherrscht die Steinmagie wie keine andere, und dennoch verlässt sie sich lieber auf ihre Messer und ihren Instinkt. Als ihr neuester Auftrag sich als üble Falle entpuppt und sie so von der Jägerin zur Gejagten wird, muss Gin ihr Können beweisen, um sich und ihre Freunde zu retten. Glücklicherweise erhält sie unerwartete Unterstützung von Detective Caine, dem sie mehr als nur zugetan ist...

Nachdem "Frostkuss" (von derselben Autorin) für mich eher eine Enttäuschung war, habe ich mich mit gemischten Gefühlen an den ersten Band dieser Reihe gewagt. Da ich Ferien hatte, habe ich ihn aber in wenigen Tagen ausgelesen und war trotz einiger Mängel positiv überrascht.

Die Welt um Gin Blanco hat mich sehr fasziniert, wenn auch ein wenig abgestossen. Denn obschon viele Menschen Magie tätigen können, ist die Kluft zwischen Arm und Reich riesig und die Korruption allgegenwärtig. Das Buch beginnt mit einem Auftrag von Gin, bei dem man sogleich die Protagonistin kennen lernt und einen Einblick in ihre Arbeit erhält. Der Schreibstil ist sehr angenehm und lässt sich flüssig lesen.

Was mich hier gestört hat, ist praktisch dasselbe, wie bei "Frostkuss": Die Autorin legt einen immensen Wert darauf, zu erklären, warum ihre Protagonistin so besonders ist. So wird andauernd wiederholt, dass Gin dies und das kann. Und diese Wiederholungen gehen echt auf den Keks. Ausserdem wird zu viel Zeit mit Lappalien wie "sie kochte das" oder "sie trug das" verbracht, unnötige Passagen, meines Erachtens. Es ist zwar ein netter Effekt, dass die Auftragsmörderin besonders gut kochen kann, dennoch hätte ja nicht gleich das ganze Rezept niedergeschrieben und die Küchenausrüstung erklärt werden müssen. Dritter Kritikpunkt: der Autorin will es einfach nicht gelingen, Emotionen in die Geschichte einzubringen. Eine dauernde Wiederholung wie sehr Gin ihre Familie vermisst, wie grosse Schuldgefühle sie hat etc. machen die Sache nicht glaubhaft. Selbes bei den erotischen Szenen. Huch, da ist ein Detective, wie praktisch, er schaut gut aus, und huch, da wird die Protagonistin gleich ganz wuschig! Grund? Keiner. Ist einfach so. Dadurch bleiben die Charaktere der Geschichte leider etwas flach und die Emotionen sind keine solchen, sondern nur leidige Wiederholungen. Ausserdem sind mir unnötig häufig Ausdrücke wie Nutte, Blut spritzte herum etc. negativ aufgefallen. Diese hätten wohl die Atmosphäre beschreiben sollen, was meiner Meinung nach aber nicht gelungen ist. 

Ohne diese ganzen Wiederholungen und unnötigen Einschübe, wäre das Buch zwar um einiges dünner, dafür aber ein wirklich gelungenes wenn auch etwas vorhersehbares Werk geworden. So aber besteht leider noch viel Luft nach oben.

Der erste Band dieser Urban Fantasy-Reihe spielt im fiktiven amerikanischen Ort Ashland in den Südstaaten. Ashland unterteilt sich in die nördliche Region, in denen die wohlhabenderen Geschäftsleute leben und in den südlichen Teil, der ziemlich heruntergekommen ist und in dem die armen Arbeiter ihr kümmerliches Dasein fristen.

Die Autorin hat eine interessante neue Welt geschaffen, in der neben den Menschen sowohl Zwerge, Riesen, als auch Vampire leben - und sogenannte Elementare: Magier, die die Elemente beherrschen. Im Normalfall beherrscht ein Elementar eins der Grundelemente Erde, Feuer, Stein oder Eis. Manche haben eine schwächere Affinität zu einem weiteren Element und wieder andere beherrschen die weniger mächtigen Unterelemente wie Wasser und Strom. 

Gin Blanco, "Die Spinne", ist Auftragsmörderin mit Leib und Seele und zudem eine begnadete Magierin. Sie beherrscht die Steinmagie ausgesprochen gut und kann nebenbei auch ein wenig Eismagie nutzen. Ihre bevorzugten Waffen sind dennoch ihre geliebten Messer aus einem besonderen Metall. Nach und nach wird ihre Vergangenheit aufgedeckt, und der Leser erfährt, wie sie zu dem wurde, was sie ist. Trotz netter Einfälle bleibt sie aber ein eher blasser Charakter und obschon sie wohl taff und hart herüberkommen sollte, wirkte sie für mich eher ... kuschelig als gefährlich.

Detective Caine ist einer der einzigen nicht korrupten Polizisten von Ashland. Er lebt ganz nach seinen eigenen Prinzipien und versucht, die Welt zu einer besseren zu machen. Dafür muss er natürlich recht stur und kühl sein, was ihn in meinen Augen eher unsympathisch hat wirken lassen. Gegen Ende wurde ich dann aber doch noch warm mit dem gut aussehenden Cop.

Die restlichen Charaktere, gut wie auch böse, waren sehr vielfältig und bunt, blieben aber dennoch irgendwie flach. Da bleibt noch viel Luft nach oben.

Ein interessanter und teilweise sehr rasanter Auftakt, der aber noch einige Schwachstellen hat.

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