Dienstag, 20. Oktober 2015

[Rezension] Höllenflüstern - Jana Oliver




Titel: Höllenflüstern
Autorin: Jana Oliver
Verlag: Fischer Verlag
Seitenzahl: 512
ISBN: 
978-3-8414-2112-8
Originaltitel: Forgiven

Reihe: Die Dämonenfängerin, Band 3 von 4





"Aus irgendeinem Grund hatte sie nichts für dieses Alles-oder-gar-nichts-Szenario eingepackt. Was sollte man auch für den Weltuntergang einpacken? Sonnencreme und Sonnenbrille? Feuerfeste Unterwäsche? Vielleicht einen Reiseführer durch die Unterwelt."
(S. 393)




Für Riley Blackthorne ist das Leben alles andere als einfach. Gerade hat sie ihren reanimierten Vater wieder gefunden, als die Dämonenjäger aus dem Vatikan plötzlich grosses Interesse an ihr zeigen und sie zum Verhör mitnehmen. Nur mit Hilfe ihrer engsten Freunde gelingt es der jungen Frau die Jäger zu überzeugen, dass sie nicht für die Hölle arbeitet. Doch da steht sie schon dem nächsten Problem gegenüber: reanimierten Dämonen, denen die üblichen Waffen nichts anhaben können. Ein Krieg zwischen Gut und Böse steht an - und Riley steckt mittendrin.



Actionreich geht es mit Band 3 der Reihe um Riley Blackthorne weiter. Der Schreibstil liest sich gewohnt flüssig, und auch hier kam der sarkastische Humor der Autorin wieder das eine oder andere Mal zum Einsatz. Das ganze Setting wirkt sehr glaubhaft und kommt wunderbar düster herüber.


Riley Blackthorne ist mir immer noch sehr sympathisch, auch wenn ich sie zwischendurch gerne (sanft) geschüttelt hätte, weil sie sich (mal wieder) so gegen Beck auflehnt. Sie kämpft sehr mit dem Verrat von Ori und auch mit Simon's Veränderung und hat Mühe, sich im Leben zurecht zu finden. Wie denn auch, wenn sie dem Himmel UND der Hölle einen Gefallen schuldet? Dennoch ist sie noch ein Bisschen mehr erwachsen geworden in diesem Band, selbstständiger und vor allem auch selbstloser.


Beck macht natürlich wieder seine Fehler, aber als grosser Fan von dem Typen, verzeihe ich ihm diese natürlich. Er hat eine echt schwere Vergangenheit und ich bin gespannt, was im letzten Teil noch so alles über ihn auftaucht. Auch er wird zu einem gewissen Grad erwachsener - legt diese überfürsorgliche Rolle ab und lernt endlich, wie er mit Riley umgehen soll.


Über die Kapitel mit Riley's bestem Freund Peter, der Hexe Ayden und dem Nekro Mort habe ich mich wieder besonders gefreut. Diese drei Charaktere sind mir noch mehr ans Herz gewachsen und vorallem die Darbietung der Magie von Ayden und Mort fand ich super gelungen.

Besonders gefallen hat mir, wie die Geschichte zwischen Riley und Beck aufgezogen ist. Es ist nicht diese Standardliebe, wie man sie aus anderen Büchern kennt, sondern eine Liebe, die sie erst langsam entdecken und die nur zögerlich erblüht. Beck scheint nicht fähig, solch starke Gefühle zuzulassen, und auch Riley hat Mühe, nachdem sie so hintergangen worden ist. Und doch schaffen sie es, daran zu arbeiten, jeder versucht auf seine Weise, dem anderen entgegen zu kommen, beide arbeiten an sich und an ihrer Beziehung.


"Dieses Mal hatte der gefallene Engel die Hände nicht im Zorn erhoben, sondern liess sie niedergeschlagen herunterhängen, und die Flügel waren halb an seinem Rücken zusammengefaltet. Die Augen waren geschlossen, der Kopf gesenkt, als sei es zu schmerzlich, die Welt zu sehen, ohne ein Teil von ihr zu sein."
(S. 196)

Gewisse Stellen im Buch waren fast schon poetisch, man merkt, wie die Autorin versucht, die Geschichte ernst rüber zu bringen. Was ihr meiner Meinung nach auch gut gelungen ist. Es handelt zwar vom klassischen Kampf zwischen Gut und Böse, Himmel und Hölle, aber es ist nicht irgendeine billige Version davon, sondern eine breit gefächerte, tiefgreifende Auseinandersetzung, die auch mal das Böse im Guten und das Gute im Bösen aufzeigt.

Die Schauplätze sind dem Leser mittlerweile grösstenteils bekannt: Riley's Wohnung, der Friedhof, der Markt, die Dämonenhochburg, die Strassen von Atlanta. Neu bekommen wir einen detaillierten Einblick in Beck's Zuhause - und erfahren das eine oder andere kleine Geheimnis von ihm (was ihn nur noch sympathischer macht). Ebenfalls verlagert sich das Setting über einige Kapitel in das Haus von Grossmeister Steward, wo wir interessante Einblicke in die Vergangenheit der Dämonenfänger erhalten und auch über den Ursprung der Engel und der Dämonen.
Wo ich in Band 1 noch das Schulsystem interessant fand, war ich jetzt froh, dass nicht mehr viele Szenen darüber vorkamen - denn Riley's Leben ist neben der Schule einfach sehr viel interessanter!



Auch wenn ich etwas länger an diesem dritten Band gelesen habe, hat er mich gut unterhalten, mich teilweise sehr mitgenommen, zum Nachdenken oder auch mal zum Lachen gebracht. Mit einem lachenden und einem weinenden Augen widme ich mich nun dem letzten Teil der Reihe und hoffe auf ein Happy End für Riley und Beck.

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